Warum Kleidung nicht gleich in die Tonne gehört.

Pulling a sweater over.
Warum Kleidung nicht gleich in die Tonne gehört.Foto: Mukuko studio von unsplash.

Kleidung ist für uns alle erschwinglich geworden. Und zwar so erschwinglich, dass wir mittlerweile bei einem Loch im Socken oder einem Knopf weniger an unserem Hemd nicht mehr überlegen, ob wir den Socken oder das Hemd reparieren, sondern einfach wegwerfen und neu kaufen. Das sah vor ein paar Generationen noch ganz anders aus.Warum? Kleidung war damals unglaublich teuer durch die Herstellung der Stoffe und die Produktion.

Jahrzehnte nach der Nachkriegszeit wurde man mit einem gestopften und ausgebesserten Kleidungsstück schief angeschaut, denn der wirtschaftliche Aufschwung führte zu Wohlstand und man konnte nun zeigen, dass man sich Kleidung leisten konnte. Kleidung ausbessern gehörte nicht mehr zum guten Ton. Dabei half aber auch, dass die Produktionskosten sanken. Heute kaufen wir Socken für 1,99 € und eine Hose gibt es schon ab 15,00 €. Wir sind zu einer Wegwerfgesellschaft  geworden, insbesondere was Kleidung angeht. Laut Greenpeace, hat nur jeder Siebte in der jüngeren Vergangenheit Kleidung reparieren lassen, etwa die Hälfte hat überhaupt noch nie Kleidung zur Reparatur gebracht. Zum Vorteil der Fashion-Industrie, die immer mehr produziert und verkauft.

Wir erinnern uns. Hier ein paar Zahlen dazu:

  • In Deutschland werden jährlich 1,3 Millionen Tonnen Kleidung entsorgt.
  • Global sind es ca. 4,3 Millionen Tonnen.
  • Im Durchschnitt tragen wir ein Kleidungsstück nur viermal, bevor wir es wegwerfen.

Die Berge von weggeworfener Kleidung werden immer größer und die Ressourcenverschwendung sowie die negativen Umwelteinflüsse während der Herstellung steigen.

Um dagegen zu wirken gibt es aber ein paar Möglichkeiten:

  1. Weniger kaufen, aber dafür hochwertige und nachhaltige Kleidungsstücke auswählen. Was du dabei beachten musst, und was die sogenannte Slow-Fashion von der Fast Fashion unterscheidet, kannst du in unseren anderen Blogposts zum Thema  lesen.
  2. Leihe Kleidung, die du garantiert nur 1 Mal tragen wirst, beispielsweise auf einer besonderen Veranstaltung, wie einer Hochzeit oder einem Geschäftstermin.
  3. Kaufe Secondhand - achte dabei auch auf Kleidung, die lange hält und die du lange tragen möchtest.
  4. Tausche Kleidungsstücke privat mit Freund:innen oder auf offiziellen Kleidertauschpartys, um dem Kleidungsstück, , dass du nicht mehr tragen möchtest. ein längeres Leben zu geben.
  5. Wasche deine Kleidung nicht so oft, dafür schonender, kalt und mit nachhaltigen Waschmitteln.
  6. Trage deine Kleidung so lange wie möglich, denn je länger du sie trägst, desto geringer wird der negative Impact des Kleidungsstückes, der durch die Herstellung entsteht. Der durchschnittliche CO₂-Fußabdruck eine neuen Kleidungsstück berechnet Sellpy z.B. mit 4.820 kg CO₂e. Je länger es getragen wird, desto mehr verteilt sich dieser Wert auf die Zeit nach dem Kauf.

Letzterer Punkt bedeutet, dass du dein Kleidungsstück ziemlich lange tragen solltest. Laut Livia Firth von Eco Age, wird ein Kleidungsstück erst dann nachhaltiger, wenn es mind. 30 Mal getragen wird. Das hört sich erstmal gar nicht nach so viel an. Unser aktueller Durchschnitt liegt aber deutlich darunter: wir werfen bereits nach 4 Mal tragen unser Kleidungsstück einfach aus unserem Kleiderschrank. Noch besser wäre es, wenn du das ein oder andere Kleidungsstück trägst, bis es wirklich nicht mehr tragbar ist. Hochwertige Kleidungsstücke lassen sich auch wunderbar von Generation zu Generation weitergeben.

Pflege und liebe deine Kleidung

Sewing girl
Foto: Teona Swift von pexels.

Nimm Reparaturen vor:

Ein loser Knopf oder eine kleine offene Naht lassen sich mit einer Haushaltsnähmaschine und einer Nähnadel schnell wieder reparieren. Aber auch kaputte Reißverschlüsse können mit etwas Wissen ausgetauscht werden. Diese Aufgabe übernimmt ganz gern auch ein Änderungsschneider in deiner Nähe.

Löcher stopfen:

Ein Loch in der Socke, oder im Lieblingspullover können mit tollen Stopftechniken repariert werden. Auf Youtube gibt es viele Videos von wahren Künstlern, die Dir die Technik, die noch unsere Urgroßmütter beherrschten, einfach erklärend beibringen. Was du dafür brauchst? Stopfgarn, Stopfnadel und vielleicht noch ein Stopfei (für Socken).

Löcher flicken mit Bügel-Patches:

Ein Loch im Sweater oder in der Hose kann mit einem aufgebügelten Bügelpatch ganz schnell und einfach “geflickt” werden.

Löcher flicken mit der japanischen Sashiko-Technik:

Ideal für alle strapazierbaren und modischen Kleidungsstücke, bei denen auch mal deutlich gezeigt werden kann, dass sie repariert wurden. Dabei wird ein dem Kleidungsstück ähnliches Stoffstück auf der Rückseite des Loches angebracht und von oben mit vielen Nahtlinien (ähnlich wie beim Quilten, dem kunstvollen aufeinandersteppen von zwei Stoffstücken) an das Kleidungsstück befestigt. Dabei entsteht eine Unterfütterung vom Loch mit dem Stoff und die vielen Nähte sorgen dafür, dass beides fest miteinander verbunden ist. Diese Technik passt super bei Jeans, Leinen und festen Baumwollstoffen.

sewing on a sewing machine
Foto: Cottonbro von pexels

Größen anpassen:

Ganz egal, ob die Kleidung zu eng oder zu weit ist, es gibt oft einen Weg, wie für dich die Kleidung wieder passend gemacht werden kann. Da empfiehlt es sich aber eine:n gute:n Änderungsschneider:in zu suchen, um die Anpassungen professionell vorzunehmen.

Aus alt mach neu:

Du hast ein paar Wollpullover deren Form dir nicht mehr gefallen und du verfügst über Grundkenntnisse im Stricken? Dann trenne die Wollpullover einfach auf. Verknote die Fäden, wasche und spanne sie und wickel sie zu Wollknäulen auf. Anschließend kannst du eine Maschenprobe machen und dir aussuchen, wie dein nächster Pullover oder Strickjacke ausschauen könnte. Dann mach dich ans Werk. Wollpullover aus recycelten Fäden sehen super aus.

sewing clothes
Aus alt mach neu oder gleich etwas ganz anderes mit Upcyling.Foto: Cottonbro von pexels

Upcycling:

Kannst Du ein Kleidungsstück wirklich nicht mehr tragen, hast Du noch die Möglichkeit daraus selbst etwas neues zu basteln wie z.B. eine Tasche aus einem T-Shirt, oder eine Schürze aus alten Jeans.  Oder gehe  zu einer Designerin/Schneiderin, die daraus wieder ein neues Kleidungsstück macht. So wird aus einem Pullover vielleicht ein neuer Rock, ein Top aus einer Bluse oder Jacke aus einem Mantel und verbessere somit die Ökobilanz von deinem Kleidungsstück.

Sneaker reparieren:

Jeder von uns liebt seine Sneaker und vermutlich ist jeder auch traurig, wenn sie nicht mehr ganz so tragbar sind. Dazu kommt, dass nur wenige davon wirklich nachhaltig und fair produziert wurden. Umso wichtiger ist es, dass Du Deine geliebten Schuhe auch pflegst. Denn wenn Du Schuhe lange trägst, zollst Du den Arbeiter:innen in den Fabriken Respekt vor deren Arbeit und die Umweltbilanz des Schuhpaars wird durch das längere Tragen besser. Damit Du lange Freude an deinen Sneaker und Trainern hast, gibt es mittlerweile einen neuen kleinen aber feinen Wirtschaftszweig, der deine Sneaker reinigt, sie wieder auffrischt oder einen neuen individuellen Look verpasst, wie z.B. Sneaker Surgery in Hamburg. Aber auch Schuster können bereits deine leisen Treter auffrischen. Frag einfach mal nach.

Beachtest Du all diese Schritte, steht deinem nachhaltigen Kleiderschrank wirklich nichts mehr im Weg.


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Zum Nachlesen:📚

https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/haushalt-wohnen/bekleidung

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/20151123_greenpeace_modekonsum_flyer.pdf